PS und Potenz

Schnelle Autos üben besonders auf Männer eine sehr große Faszination aus. Was macht den Reiz von hoher Motor PS-Leistung aus?

Magisch wird man davon angezogen. Steht fast hypnotisiert mit glänzenden Augen und Gänsehaut davor. Ist begeistert und fasziniert. Dort steht sein Traumauto – ein Porsche Carrera GT, 612 PS, 330 km/h Höchstgeschwindigkeit, gleich daneben ein Ferrari 612 Scaglietti, der Motor des Sportcoupés hat 12 Zylinder und eine 540 PS starke, 320 km/h schnelle Maschine. Voller Kraft strotzend und so leistungsfähig. Ein solches Auto zu fahren, welche Herausforderung. Wow, unbeschreiblich prickelnd! Das bringt die Hormone in Wallungen. Da kommt Freude auf. Sein Herz schlägt gleich höher. Der Traum vieler Männer ist ein schnelles Luxusauto. „Ich bin einer, der gerne irrsinnig viele PS unterm Hintern hat“, sagt Porsche-Fan Ulrich Fischer aus Bergisch Gladbach. Hohe PS sind oft Gesprächsthema Nummer eins in Männerrunden. Man brüstet sich gern mit der hohen Motorleistung seines Fahrzeugs. Ob Jung und Alt – Männer haben einen Faible für Autos mit hoher Motorleistung. „Je mehr PS, desto besser. Ein Lamborghini, das ist mein Traum“, schwärmt der 18-jährige Auszubildende Sascha über sein Traumauto. Ein Auto mit hoher PS-Leistung, selbst wenn es alt ist, wird von jungen Männern bevorzugt. Ein nagelneues Auto mit wenig Motorkraft wird hingegen abgelehnt. Für die Mehrheit der Männer ist ein schneller Sportwagen sogar attraktiver als die Kurven einer prominienten Frau. 86 Prozent der Männer würden lieber ein Wochenende mit einem Ferrari Enzo verbringen als mit Kuvenstar Pamela Anderson, so das Gewis-Institut im Auftrag von „Men´s Car“.

Warum ist der Mann derart „PS-geil“? Hat er einfach nur Spaß daran oder stecken tiefer liegende, psychologisch, unbewusste Gründe dahinter?

Männer brauchen Bewunderung: auf der Straße, im Bett, im Büro oder am Bungee-Seil. Er gibt dauernd an. Hat den schnellsten Computer. Fährt am besten Auto. Trainiert am härtesten. Er kennt sich aus. Durchschaut alles. Gehört zur Elite. Dazu ist er noch Feinschmecker, Weinkenner und überlegener Kommentator von Fußball, Politik und Fernsehnachrichten. „Wenn Frauen wüssten, wie sehr es zur seelischen Gesundheit eines Mannes gehört, dass er sich als der Größte, Beste, Schnellste, Schlaueste fühlt, würden sie ihn viel mehr loben“, sagt der Schauspieler Alain Delon. Bewundernde Blicke anderer, weil Mann ein schnelles, teures Auto (und/oder eine schöne Frau zur Seite) hat, danach lechzt er. Und „das macht ihn an“. Das braucht er für sein „Ego“. „Männer sind eitel und brauchen Applaus“ erklärt Männer-Experte und Buchautor Dietmar Bittrich.

Warum wohl? Erstens, weil ein Mann hierachisch denkt. Er benötigt immer jemanden, dem er sich überlegen fühlt. Wenn er Publikum hat, er sich selbst als Star fühlt, hat er den Eindruck, lauter Leute unter sich zu haben und sie zu beherrschen. Zweitens gewinnt er sein Selbstvertrauen nicht von innen, sondern durch äußere Beweise. Die Aufmerksamkeit eines Publikums ist seine schönste Bestätigung. Doch warum muss sich der Mann ständig beweisen?

Vier Fünftel der Bungee-Jumper sind Männer. Ebenfalls vier Fünftel der Extremkletterer. Nicht anders ist das Verhältnis bei Fallschirmspringern und Skateboard-Artisten. Der Kanadier Jeremy Stance, der das Empire State Building bestieg – nicht über die Treppe, sondern über die Fassade – sagt: „Ein Mann, der sich nicht auf solche Art erprobt, ist eine Memme.“ Oft bezahlt das sogenannte „starke Geschlecht“ sein Risikoverhalten mit dem Leben. Jungen verunglücken viel häufiger im Straßenverkehr als Mädchen – mit dem Fahrrad, Mofa, Motorrad und Auto. Bei 93 Prozent der Discounfälle treten Männer auf das Gaspedal. Der Grund: Der Wunsch, andere durch riskantes Verhalten zu beeindrucken. Die britische Verhaltensforscherin Cary Steath seufzt: „Frauen streben nach Beziehung und Gleichheit. Männer nach Unabhängigkeit und Größe.“ Ein Blick auf rangelnde Hirsche oder geplusterte Pfauen zeigt, dass dieses männliche Verhalten anthropologisch bedingt ist. Heldentum ist männliche Eigenwerbung. „Männer streben nach Macht, Erfolg und Sex“, so kennzeichnen die Kommunikationstrainer und Buchautoren Allan und Barbara Pease das Wesen des männlichen Geschlechts.

Der Mann liebt schnelle Autos, weil er Spaß und Freude daran hat. Er mag die Technik, das ästhetische Design, das glänzende Metall. Die uneingeschränkte perfekte Leistungsfähigkeit der Motorkraft und Technik bewundert er. Sein Wunsch: immer zu funktionieren in jeder Hinsicht. Die hohen Pferdestärken (PS) sind für ihn eine Herausforderung. Deren Bewältigung bereitet ihm lustvolle Gefühle. Am Limit zu fahren, ist ein besonderer Kick. Hormone – Boten der Euphorie – werden dabei vom Körper produziert und üben eine berauschende Wirkung auf ihn aus, z.B. Endorphine und Testosteron, das Hormon der Sieger.

Der amerikanische Endokrinologe John Money macht dafür die Chemie im Körper verantwortlich: „Riskantes Handeln kann beim Mann Endorphine mobilisieren, sozusagen körpereigenes Ecstasy.“ Hormonell ist er das Wesen der „Action“. Er muss also aktiv sein und was tun. Den Sinn dafür sieht der Forscher in der Evolution: Der Mann musste „an die Front“ mit freundlicher Unterstützung der Hormone. Noch heute hat der Mutbeweis zwei Zwecke: Erstens den Rausch zu liefern, zweitens den anderen zu zeigen: Als Krieger und Verteidiger bin ich gut. Schaut alle her, wie leistungsfähig ich bin.

Evolutionsforscher (Evolution, d.h. die stammesgeschichtliche Entwicklung der Lebewesen) wie der Brite Ralph Drury glauben, die beschwerlichen vier Millionen Jahre als Jäger und Sammler hätten beim Mann ihre Spuren hinterlassen. Das Leistungsdenken ist dem Mann seit der Steinzeit eingeprägt. Er musste fette Beute heimschleppen und zeigen, genauso gut oder gar noch besser wie die anderen zu sein. Evolutionsbedingt ist der Mann hormonell mit dem Dominanz-Hormon Testosteron für den Verteidigungsfall gerüstet. Dieses Hormon, zuständig für den Antrieb (Aggression), die innere Kraft, die Libido (sexuelle Lust), ist beim Mann zwanzigmal höher dosiert als bei der Frau. Deshalb spielen Leistung, Macht, Aggression und Sexualität in seinem Denken sowie Verhalten eine größere Rolle. Als Wunsch, Gier und – was die Potenz betrifft – bange Furcht. Der Mann ist abhängig von seinem Trieb. Evolutionärer Grund: Ein Mann ohne Trieb würde zu wenig für die Fortpflanzung tun.


Der Mann im PS-starken-Auto will anderen imponieren und bewundert werden. Aber auch die hohen „Pferdestärken“ zu bewältigen, ist ein unbewusstes Motiv seiner Vorliebe für schnelle Autos.

Männer sind versessen auf schnelle Autos wie z.B. der Ferrari 612 Scaglietti, der Motor des Sportcoupés hat 12 Zylinder und eine 540 PS starke, 320 km/h schnelle Maschine, Preis: ab 218.000.- Euro. Schnelle Autos wecken lustvolle Gefühle im Mann. Freude aber auch Neugier, Angst und Stolz sind mit im Spiel. Dabei handelt es sich um unbewusste Gefühle, die den Reiz und das Spannende ausmachen. Ein „Kick“ wird erlebt, natürlich kann auch von Erregung gesprochen werden.


Hinter der Sucht nach Bestätigung verbirgt sich nach Erkenntnis des Berliner Therapeuten Wilfried Wieck die pure Unsicherheit: „Die ewige Angst, nicht potent genug zu sein, will der Mann mit Symbolen und Beweisen beschwichtigen.“ Wenn er von seinen 300 PS schwärmt, steckt also sein Wunsch nach unbegrenzter Zeugungskraft dahinter. Wenn er erzählt, die Festplatte seines Computers sei mehrere Gigabyte groß, sehnt er sich nach der Gigagröße eines seiner Körperteile. Doch weil schon kleine Jungen angeben, die von Potenzängsten nichts wissen, ist von einem angeborenen Urverhalten auszugehen. „Männliche Affen trommeln schließlich ebenfalls auf die eigene Brust, und zwar möglichst laut“, so der Freiburger Anthropologe Martin Harnisch.

Für den Offenbacher Sexualwissenschaftler Jürgen Kosanke steckt noch mehr hinter dem männlichen Leistungsdenken: „Der Wunsch jeden Mannes ist es, unbegrenzt leistungsfähig zu sein. Im Gegensatz zur Frau muss er beim Sex eine erkennbare Leistung vorzeigen: die Erektion. Das ist der Urgrund dafür, dass er viel mehr als die Frau auf Leistung fixiert ist – in seinem ganzen Leben, in allen Bereichen.“

Die Erektion steht als Symbol für Männlichkeit, Fruchtbarkeit, Vitalität und Stärke. Sie ist eine Leistung, die der Mann unbegrenzt erhalten möchte. Unbewusst, manchmal auch bewusst hat er große Angst vor Impotenz. Die größte Männerangst ist Versagen – im Sex und im Job. „Impotenz oder die Furcht davor ist eine der großen männlichen Hauptsorgen,“ stellen die Wissenschaftler Bernard D. Starr und Marcella B. Weiner von der Universität New York in ihrer Untersuchung fest. Ob sie nun vorübergehend, als Einzelfall oder ernster auftritt, kann für manche Männer zur Quelle großer Ängste und Frustrationen werden, weil bei der männlichen Selbsteinschätzung so vieles von der sexuellen Potenz abhängt.

Männer-Experte Bittrich: „Der Penis gilt als unzuverlässigster männlicher Körperteil. Er gehorcht nicht dem Willen.“ Die männliche Erektion ist tatsächlich fast ein Mysterium. In der Zeit des Heranwachsens stellt sie sich mit unkontrollierbarer Häufigkeit ein. Anscheinend von allein. Scherzhaft wurde schon behauptet, dass in jeder Gruppe heranwachsender Jungen von beliebiger Anzahl stets zwei Drittel eine Erektion haben. Die Erfahrung mit dieser prompt auftretenden, zuverlässigen Erektion lullt junge Männer in den Glauben ein, das sei ihr Geburtsrecht und müsse für immer so bleiben. Im Laufe der Jahre lehrt die Erfahrung jedoch, dass dem keineswegs so sein muss. Die Männer machen sich Sorgen. Das erste Versagen der Erektion kann schon mit 25 oder 30 Jahren eintreten, wenn man eine Nacht durchbummelt und zuviel getrunken hat. Dieses Erlebnis mag ein erster Wink sein, dass die Erektion von der Natur nicht garantiert wird. Ab 40 Jahren werden die Erektionsängste zur Epidemie, so die Forscher Starr und Weiner.

Eine neue US-Studie über den Zusammenhang von Geld, Sex und Glück kommt zu dem Ergebnis: Nichts macht Männer und Frauen so glücklich wie Sex – nicht einmal Geld. Sexuelle Aktivitäten erhöhen die Lebensfreude und Lebensqualität, verleihen sogar einen Hauch von luxuriöser Ausstrahlung – und von großer Zufriedenheit. Männliche Impotenz (Erektile Dysfunktion) hat dramatische Auswirkungen. Reduzierte Erektionsfähigkeit und Impotenz ist für Männer ein Einbruch ihres Selbstwertgefühls und geht mit Unzufriedenheit einher. Psychotherapeuten stellen bei Männern mit sexuellen Störungen Verstörtheit und Trauer (Depressionen) fest. Frustration und Aggression können die Folge sein. „Viele Männer mit Erektiler Dysfunktion leiden an einer Depression. Deshalb ist es ermutigend, dass Levitra (Bayer-Tablette, siehe Seite 15) die erektile Funktion effektiv verbessert und dadurch Depressionen mildert und die Selbstachtung der betroffenen Männer erhöht“, sagt Professor Raymond Rosen, Direktor des Human Sexuality Program an der UMDNJ-Robert Wood Johnson Medical School in New Brunswick, New Jersey, USA.

Männer müssen immer leistungsfähig sein. So sieht sich der Mann selbst und auch die Gesellschaft will ihn so. Und weil Leistung etwas ist, dass man beweisen muss, überfordert er sich so oft. Er will und muss gut sein, vergleicht sich und will besser sein, das gehört zu seinem Image. Seine Grenzen möchte er am liebsten leugnen. Männer verletzten sich häufiger als Frauen und verunglücken öfter tödlich im Straßenverkehr. US-Mediziner Gordon Krick: „Ein Mann glaubt, den Körper durch Willensstärke und Gewalt zwingen zu können. Er stellt Forderungen an seinen Körper, ohne hineinzuhorchen, ob der Körper ihm nachkommen kann. Er fordert Leistung von ihm wie von einem Auto und übersieht, dass er sich bei einem Unfall keinen neuen Körper kaufen kann.“

So ist er eben der Mann – Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Die Frauen mögen und lieben ihn so wie er ist. Sind über seine Existenz überaus glücklich, sogar sehr dankbar und stolz auf ihn. Mit ihm können sie viel Spaß haben und sich reproduzieren. Durch sein Wirken und Schaffen wird ihr Leben verlängert, bereichert, angenehmer, zufriedener und lebenswerter. Zahlreiche hervorragende lebenswichtige, wertvolle Entdeckungen, innovative Erfindungen und wissenschaftliche Erforschungen in Medizin, Physik, Chemie, Technik usw., sind seiner Leistungsfähigkeit und seinem Machtstreben zu verdanken. Die vielen berühmten Entdecker, Forscher, Erfinder, Wissenschaftler, Denker, Nobel-Preisträger u.a. sprechen für sich.

Wer den Mann erreichen möchte, „muss ihn dort abholen, wo er steht“. Dieser Appell sei an diejenigen gerichtet, die ihn zu mehr Verkehrssicherheit bewegen möchten.

Und Frauen..., die begeistern sich doch auch für schnelle Autos, haben Ängste, werden durch Komplimente entwaffnet, sind macht- und leistungsorientiert... Ja, stimmt, aber das ist ein neues Kapitel.

A.L.