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"Die Basis für das Vermeiden von Gefahren ist eine starke und sichere Persönlichkeit."
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Interview mit dem Jugendforscher
Prof. Dr. Klaus Hurrelmann, Universität Bielefeld |
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mobil und sicher: Herr Prof. Hurrelmann, Sie als Jugendforscher befassen sich seit Jahrzehnten mit dem Thema Jugendliche. Sind Jugendliche heute schwieriger geworden? Wenn ja, warum?
Prof. Hurrelmann: Die Jugendphase ist tatsächlich schwieriger als in früheren Lebensabschnitten, weil sie so früh wie noch nie in der menschlichen Geschichte einsetzt, aber kein eindeutiges Ende mit einem klaren Übergang in das Erwachsenenalter hat. Hierdurch sind die Anforderungen an die Selbstorganisation der Persönlichkeit deutlich gewachsen. Viele Jugendliche müssen große Aufmerksamkeit auf die Gestaltung ihrer Identität lenken und ständig die Frage stellen, welchen sozialen Ort in ihrem Lebenslauf sie gerade erreicht haben. Die Ausbildungsgänge können sehr lang sein, die Übernahme eines Berufes und der Eintritt in eine eigene Familie kann sich sehr weit in den Lebenslauf hineinstrecken.
mobil und sicher: Gibt es Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen in der Pubertät? Welche?
Prof. Hurrelmann: Die Pubertät setzt bei den jungen Frauen schon seit Jahrzehnten etwa ein Jahr vor den jungen Männern ein. Zugleich hat sich bei beiden Geschlechtern in den letzten 200 Jahren der Eintritt der Geschlechtsreife ganz offensichtlich im Lebenslauf nach vorne verlagert, von etwa 16 Jahren im Jahr 1800 bis etwa 11 Jahren heute.
mobil und sicher: Im Straßenverkehr sind Jugendliche vor allem männliche sehr gefährdet, das setzt sich fort bei den 18- bis 24-jährigen Fahranfängern. 30 Prozent der jungen Fahrer sind besonders gefährdet. Jugendliche sind über Risiken und Gefahren nur schwer zu beeinflussen. Kann diese Risikogruppe im Jugendalter überhaupt noch beeinflusst werden?
Prof. Hurrelmann: Wegen der offenen und lang gestreckten Jugendphase wird es für junge Männer und junge Frauen immer wichtiger, soziale Anhaltspunkte dafür zu gewinnen, wo sie sich auf der Reise ins Erwachsenenalter gerade befinden. Der eigene Führerschein und die mit dem Autofahren verbundene hohe Selbstständigkeit sind hier ein wichtiger Schritt. Gerade für die jungen Männer aber kann dieser Schritt auch gefährlich sein, denn sie missbrauchen das Autofahren als Erlebnis- und Abenteuerraum und neigen zu riskantem Verkehrsverhalten. Junge Frauen sind hier deutlich zurückhaltender, sie haben andere und weniger raumgreifende Formen, um mit ihren Entwicklungsproblem umzugehen. Verkehrsgefährdendes Verhalten von jungen Männern ist aus diesem Grunde durchaus auch entwicklungspsychologisch ein großes Thema. Die jungen Männer mit Risikoverhalten sind schwer zu erreichen und auch schwierig zu beeinflussen. Hier hilft nur eine Kombination aus Erziehung und klaren Restriktionen.
mobil und sicher: In den Schulen passiert leider zu wenig. Verkehrserziehung ist Sozialerziehung. Außerdem umfasst die moderne Verkehrserziehung, wie z.B. die Lernwerkstadt der Deutschen Verkehrswacht, Mobilitäts- und Bewegungserziehung und trägt somit zur positiven Entwicklung von Charakter, Persönlichkeit und Körper bei. Bewusstseinsbildung für mehr Verantwortung, Rücksichtnahme, Empathie, um nur einige Ziele zu nehmen. Durch die Vermittlung dieser humanistischen Werte in attraktiven Unterrichtsprojekten könnte viel erreicht werden. Wie stehen Sie dazu?
Prof. Hurrelmann: In allen Bereichen der Prävention haben wir in den letzten Jahren die Botschaft gelernt: Die Basis für das Vermeiden von gesundheitlichen und verhaltensbezogenen Gefahren ist eine starke und sichere Persönlichkeit. Deswegen haben alle Präventionsprogramme als eine Art Fundamentum die intensive Förderung der sozialen Kompetenzen der jungen Männer und Frauen. Für die Verkehrserziehung und die Unfallprävention gilt das genauso wie für die Gewalt-, Sucht- und Stressprävention. Deswegen sind die modernen Ansätze der Verkehrserziehung als Sozialerziehung eindeutig auf dem richtigen Weg. Ich plädiere dafür, sie beherzt weiterzuentwickeln und sie zugleich wissenschaftlich systematisch zu überprüfen, sodass wir sie im Laufe der nächsten Jahre immer zielgenauer ausrichten können. Denn wegen der Unterschiede von jungen Männern und jungen Frauen müssen geschlechtsspezifische Muster berücksichtigt werden, wegen der hohen Bildungsunterschiede und Herkunftsunterschiede müssen auch diese Varianzen deutlich berücksichtigt werden.
mobil und sicher: Vielen Dank für das Interview. |
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Über die Jugend
Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.
Sokrates, 470-399 v. Chr. (frei zusammengefasst nach
Platons 8. Buch vom Staat) |
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| Hohe Unfallgefahr bei jugendlichen Fahrradfahrern ab dem 10. Lebensjahr besonders bei den Jungen. |
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Wachsende Mobilität
Mit dem Wechsel auf weiterführende Schulen etwa im Alter von 10 Jahren beginnt für die meisten Kinder ein neuer Lebensabschnitt, der einher geht mit der Erweiterung der individuellen Mobilität. Der oft längere Schulweg stellt gewachsene Mobilitätsanforderungen. Kinder dürfen nun mit dem Fahrrad zur Schule und nutzen es auch im Freizeitbereich, um längere Strecken zurückzulegen. Die wachsende Mobilität eröffnet Heranwachsenden neue Möglichkeiten und Perspektiven, ist aber auch mit einer größeren Unfallgefahr verbunden. |
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Peergroup und Mutprobe
Die Anerkennung durch die Gleichaltrigen stärkt das Selbstwertgefühl der Jugendlichen und hilft ihnen, ein positives Bild von sich zu entwickeln. Das erfolgreiche Bestehen einer Mutprobe führt zur Anerkennung in der Gruppe, was wiederum zum Aufbau eines positiven Selbstbildes beiträgt.
Besonders Jungen mit einer niedrigen schulischen Qualifikation nutzen die Öffentlichkeit, zur demonstrativen Selbstdarstellung im Rahmen einer Mutprobe. Die Mutprobe bzw. das riskante Verhalten dienen zur Kompensation des negativen bzw. Erhöhung des positiven Selbstbildes. Es soll den anderen gezeigt werden Ich bin ein toller Typ, was ich kann, traut ihr euch nicht!
Literaturtipp: Maria Limbourg, Jürgen Raithel, Imke Niebaum, Silke Maifeld: Mutproben im Jugendalter. In: Schweer, M. (Hg.): Perspektiven pädagogisch-psychologischer Forschung: Das Jugendalter, Leske und Budrich, Opladen, 2003 |
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Fahrrad-/Mofafahrer
Jugendliche Fahrradfahrer verstoßen öfter gegen Verkehrsvorschriften. Zwar verhalten sich jugendliche Motorzweiradfahrer verantwortungsvoller und verkehrsregelangepasster als die radfahrenden Altersgenossen. Trotzdem verunfallen statistisch gesehen häufiger Mofafahrer als Radfahrer und männliche Fahrer öfter als weibliche.
Ursächlich sind sicherheitsabträgliche Einstellungen (hohe Risikobereitschaft und häufiges Missachten von Verkehrsregeln). Auch das Auffrisieren der motorisierten Zweiräder und der damit einhergehenden Überschreitung der fahrzeugspezifischen Höchstgeschwindigkeit spielt eine Rolle. |
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| Jugendliche überprüfen alle Freizeitaktivitäten und Hobbys dahingehend, wie viel Image sie bringen. Risikoreiche Verhaltensweisen stellen ein Weg dar, von Freunden akzeptiert zu werden. |
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