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| Jeder sollte sein fahrerisches Können gelegentlich optimieren, sei es bei einem Sicherheitstraining oder einer zusätzlichen Fahrschulstunde. Die anschließende Bewertung – ob positiv oder negativ – ist als Chance zu sehen. |
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Früher war Alfred S. (75) ein guter Autofahrer gewesen. In den 50er Jahren ist er mit seiner heutigen Frau auf dem Motorrad nach Italien gefahren; in diesen Erinnerungen schwelgen die beiden immer noch. Heute kann Alfred schon eine Woche vorher nachts schlecht schlafen und sein Blutdruck gerät völlig außer Kontrolle, wenn der Termin naht, an dem er seinen 70 Kilometer entfernt wohnenden Sohn nebst Familie mit dem Auto besuchen soll. Immer häufiger ruft seine Frau dann am Morgen an und muss kurzfristig absagen.
Die hohen Geschwindigkeiten auf der Autobahn und die Baustelle mit der Umleitung machen ihm zu schaffen. Auch das Sehen bereitet ihm zunehmend Probleme und beim Rückwärtsfahren hat er kürzlich einen Zaun touchiert. Bei Dunkelheit fährt er schon lange keine unbekannten Strecken mehr. Kurze bekannte Strecken in seinem Heimatort fährt er allerdings täglich.
Albert selbst spricht nie über sich selbst; er ist auch sonst eher ein ruhiger Genosse. Schließlich ist er ein guter Autofahrer und auch seine Frau unterstreicht dies bei Familienfeiern in der Öffentlichkeit. Anderer Meinung ist Enkelin Sandra (24): „Der Opa kann nicht mehr so gut Autofahren", erzählt sie ihrem Vater (50) und berichtet von einer „rasanten" Fahrt mit ihm zu einem angrenzenden Ort. Aber weder sie noch ihr Vater haben den Mut, mit Opa über seine Probleme beim Autofahren zu reden.
Einerseits ist es Uneinsichtigkeit und eine falsche Selbsteinschätzung, andererseits sind es aber auch Ängste, was wohl passieren könnte, wenn die Defizite eingestanden werden. Muss dann das letzte Stück Unabhängigkeit, der geliebte Führerschein, abgegeben werden? Dieser Gedanke ängstigt viele Ältere enorm. Die Angst vor dem Verlust des Führerscheins ist häufig bei älteren Menschen ein Grund, derartige Probleme nicht offen zu legen, so das Ergebnis der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) 1). Der Verlust der Fahrerlaubnis ist ein kritisches Lebensereignis; man fühlt sich wie amputiert.
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| Uneinsichtigkeit, falsche Selbsteinschätzung und Angst
Für jeden Menschen ist die Verkehrsteilnahme als aktiver Kraftfahrer eine besondere Herausforderung, da die Anforderungen, die beim Autofahren an ihn herangetragen werden, sehr komplex sind und ein hohes Maß an psychophysischen Fertigkeiten erfordern. Gleichzeitig kann es jedoch durch Erkrankungen und Medikamenteneinnahme zur Beeinflussung der Fahrtüchtigkeit kommen. Etwa ab dem 75. Lebensjahr treten entweder altersbedingt oder in Verbindung mit einer Krankheit eine Reihe von Leistungseinbußen auf, die sich ungünstig auf die Verkehrssicherheit auswirken können. Das Ausmaß des Risikos der Teilnahme am Straßenverkehr unterliegt zunehmend lebensphasischen Begleitumständen, bei denen insbesondere im Alter biologische und medizinische Faktoren eine große Rolle spielen. Altern ist gekennzeichnet durch ein vermehrtes Auftreten von Krankheiten und die damit verbundene Einnahme von Medikamenten. Häufig treten auch zeitgleich mehrere Krankheiten auf und führen zur Einnahme unterschiedlicher Medikamente, die einzeln oder in ihrer Wechselwirkung die Fahrtüchtigkeit beeinflussen können. Daher spielen medizinische Aspekte bei der Verkehrssicherheitsberatung älterer Menschen eine besondere Rolle.
Im Hinblick auf die demografische Entwicklung unserer Gesellschaft gewinnt die Umsetzung von Verkehrssicherheitsberatung immer mehr an Bedeutung. Da in Deutschland – anders als in vielen europäischen Nachbarländern – eine regelmäßige verkehrsmedizinische Kontrolluntersuchung ab einem bestimmten Lebensalter nicht vorgesehen ist, trägt der Hausarzt bei der Einschätzung der Fahreignung eine große Verantwortung, so das Fazit der BASt-Studie. Der Arzt, der in seiner Praxis ältere Patienten betreut, sollte sich mit dem Thema „Verkehrssicherheit im Alter” näher beschäftigen, um so zu einem kompetenten Berater seiner Patienten zu werden. Mit einer entsprechenden Kompetenz fällt es dem Arzt wesentlich leichter, für einen bedeutsamen Aspekt der Lebensqualität seiner älteren Patienten, nämlich den der Mobilität im Alltag, Verantwortung mit zu übernehmen und diese Bereitschaft auch seinen Patienten zu signalisieren. Dabei stehen medizinische Informationen über verkehrsrelevante Aspekte des jeweiligen Krankheitsbildes im Vordergrund. Die verkehrsmedizinischen Aspekte beziehen sich auf Hör- und Sehstörungen, Diabetes, Hypertonie, koronare Herzkrankheit und Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen, Herzleistungsschwäche, periphere Gefäßkrankheiten, kreislaufabhängige Störungen der Hirntätigkeit, Epilepsie, Demenz, Depression, Schizophrenie und wahnhafte Störungen, Parkinson-Syndrom, Bewegungsbehinderungen sowie medikamentöse Therapie bei chronischen Schmerzerkrankungen. |
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| Einsicht in die eigenen Schwächen gewinnen und daran arbeiten sie abzulegen oder zu kompensieren
Es ist bereits als Erfolg zu werten, wenn beispielsweise der Patient dazu gebracht werden kann, seine derzeitige Lebenssituation und Leistungsfähigkeit zu überdenken. Hier muss aber noch sehr viel Überzeugungs- bzw. Aufklärungsarbeit geleistet werden – auch seitens der Verkehrswachten vor Ort. Ein Umdenken ist dringend nötig.
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Besonders älteren Männern fällt es oft schwer beim Autofahren Schwächen und Fehler einzugestehen. Der verantwortungsbewusste Autofahrer weiß um seine Schwächen und versucht sie auch mit Hilfe von Tipps anderer auszugleichen.
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Wenn Defizite aufgedeckt und eingestanden werden, dann muss das nicht unbedingt das Ende des Führerscheins bedeuten. Auch der ältere Mensch ist noch in der Lage zu lernen und kann beispielsweise durch Sicherheitstrainings sein Fahren optimieren. Es muss den Menschen klar gemacht werden, dass der Mut, seine Schwäche zu erkennen, eigentlich eine Stärke ist. Nur darin liegt eine Chance etwas zu ändern. Wer hingegen alles weiter laufen lässt, nichts tut und möglicherweise auf Wunder wartet, der kann seine Situation nicht verbessern. Doch wie kann der ältere Mensch dazu bewegt werden?
In Italien und Großbritannien müssen sich Autofahrer ab dem 70. Lebensjahr alle drei Jahre untersuchen lassen, in Portugal sogar alle zwei Jahre. Von Seiten der Senioren ernten derartige Ideen wenig Beifall. Experten halten freiwillige Tests zur Fahrtauglichkeit älterer Autofahrer für besser als einen speziellen Seniorenführerschein. „Wir müssen die Eigenverantwortung der Menschen stärken", sagt der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Verkehrspsychologie Wolfgang Schubert. „Der Staat muss sich mit Zwangsmaßnahmen konsequent zurück halten." Eine Kombination aus einem Appell an die Selbstverantwortung und finanziellen Anreizen motiviere langfristig stärker.
Auf Eigenverantwortung setzt auch die Verkehrswacht Essen bei ihrem neuen Projekt „Ü50 – aber sicher", das sehr gut angenommen wird (siehe auch Seite 11). Das Programm besteht aus Fahrschulstunden in Theorie und Praxis, Pkw-Sicherheitstraining mit Technikerläuterung und Sehtest, Hirnleistungscheck in der Memory-Clinic (Elisabeth Krankenhaus) und Bewegungsübungen in der Bewegungswerkstatt. Dort bekommen die Teilnehmer Hinweise, welche Defizite sie möglicherweise haben und wie diese kompensiert werden können. Es geht um die Förderung, Erhaltung und Wiederherstellung der individuellen Mobilität. Die Empfehlungen könnten vom Kauf einer Brille neuer Sehstärke bis zum freiwilligen Verzicht auf das Fahren reichen. Die Behörde erfährt von allem nichts – das ist entscheidend. Das Gegenteil schreckt die Menschen ab
Verkehrspsychologe Schubert stimmt dem völlig zu; er hält den Entzug des Führerscheins nach Geburtsjahr für schädlich und fachlich nicht gerechtfertigt. Auch er ist der Ansicht, dass es besser ist, Einsicht in die eigenen Schwächen zu gewinnen. Wer bewusst aufs Fahren verzichtet, weil er sich nicht mehr sicher fühle, können sich auch noch an einer abgelegten Fahrerlaubnis erfreuen. Der Psychologe lehnt auch nach dem Alter gestaffelte Testtermine ab. „Entscheidend sind weder Alter noch Krankheiten, sondern wie man damit umgeht." Warum soll jemand nicht mehr fahren, der genügend zum Ausgleich eigener Schwächen leistet? Wenn einige Senioren Erkenntnisfähigkeit vermissen lassen, können wir nicht die Mehrheit älterer Fahrer durch Zwangsuntersuchungen quasi in Sippenhaft nehmen. Bei Jungen macht man auch keine Tests für alle. Dabei haben die das höchste Unfallrisiko.
Der Einsicht der Senioren lässt sich auch durch materielle Anreize auf die Sprünge helfen. Der Experte plädiert für Steuernachlässe und Belohnungen. Wer alle zwei Jahre zum Test geht, könnte Steuerrabatte bei der Kfz-Versicherung bekommen. Für den Fall des freiwilligen Verzichts ist über die Übernahme von Fahrtkosten für den öffentlichen Nahverkehr nachzudenken. Alles spricht für Freiwilligkeit. Das Gemeinwohl hat mehr davon. |
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Sicherheitstraining für Senioren/Innen bei der Verkehrswacht Essen
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Forderung der Deutschen Verkehrswacht
Altersbedingten Leistungsdefiziten stehen langjährige Fahrerfahrung und Routine gegenüber sowie eine defensive und vorausschauende Fahrweise. Hierdurch können Risiken, die auf körperliche Einschränkungen zurückzuführen sind, kompensiert werden. Die Unfallzahlen belegen, dass ältere Fahrer nicht auffälliger sind als jüngere. Erst Fahrer, die über 75 Jahre alt sind, zeigen verstärkt körperliche oder psychische Schwächen, die sich negativ auf ihre Sicherheit im Straßenverkehr auswirken können. Hier jedoch können entsprechende Maßnahmen ansetzen und Risiken minimieren helfen. Eine wichtige Rolle spielen dabei Fahrassistenzsysteme, die eigens dazu entwickelt wurden, körperliche Defizite auszugleichen, um ein sicheres Fahren zu ermöglichen.
Obgleich bereits in vielen EU-Ländern regelmäßige Führerschein-Tests obligatorisch sind, liegen keine eindeutigen Belege dafür vor, dass diese einen positiven Einfluss auf die Verkehrssicherheit besitzen. Die Unsicherheit, ab wann welche Tests und in welchen Zeitabständen durchgeführt werden sollten, spiegelt sich in den sehr unterschiedlichen Regelungen in den verschiedenen Ländern wider. Anstelle von diskriminierenden medizinischen und psychischen Tests sollten ältere Menschen ermutigt werden, ihre körperliche und psychische Verfassung selbstkritisch einzuschätzen. Freiwillige Tests und Untersuchungen helfen dabei, eine objektive Einschätzung ihrer Fähigkeiten und des Ausmaßes bestehender Leistungsdefizite zu erhalten. Bei körperlichen Defiziten kann eine Beratung durch den Arzt Wege und Maßnahmen zeigen, die helfen, eine sichere Verkehrsteilnahme zu bewahren. |
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